Neurodermitis im Kindesalter oder ein Leben lang

Unzählige Kinder aber auch viele Erwachsene leiden unter der entzündlichen Hauterkrankung Neurodermitis. In vielen Fällen verschwindet die in Schüben auftretende Krankheit mit der Pubertät, oft bleibt sie aber auch ein Leben lang. Die Lebensqualität wird in der Regel massiv davon beeinträchtigt. Es gibt aber eine Reihe von Maßnahmen, die Schübe verhindern oder zumindest abmildern können.

Neurodermitis, auch bekannt als atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis, verläuft chronisch und tritt häufig bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter auf. Genetische Veranlagung aber auch Umweltfaktoren spielen dabei eine Rolle. In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Betroffenen in Deutschland stark gestiegen. Das Risiko einer Erkrankung ist erblich und geht einher mit einem erhöhten Risiko für andere atopische Krankheiten wie Asthma, Heuschnupfen oder sonstige Allergien. Selbst wenn eine Neurodermitis mit dem Erreichen des Erwachsenenalters scheinbar verschwindet, so bleibt sie meist doch latent erhalten, kann also irgendwann erneut ausbrechen. 

Symtome der Neurodermitis

Generell ist die Haut der Betroffenen äußerst trocken und empfindlich. Am meisten leiden die Patienten unter dem starken Juckreiz, den Neurodermitis auslöst. Besonders betroffen sind meist die Bereiche um Augen und Stirn, Hals, Kopfhaut, die Beugeseiten von Ellbogen, Kniekehlen sowie Hand- und Fußrücken. Im Verlauf von starken Schüben kann es sogar zu einer Rötung der gesamten Haut kommen (Erythrodermie). Bei Erwachsenen kann sich Neurodermitis auch durch flächendeckende lederartige Verdickungen der Haut (Lichenifikation) oder der Gesichtshaut (Facies leonina) und kleine juckende Hautknoten (Prurigoknötchen) äußern.
Nicht nur der Juckreiz und damit oft einhergehende Schlafmangel belastet Neurodermitiker. Oft schämen sie sich für ihr Aussehen, besonders wenn Gesicht oder Hände betroffen sind und ziehen sich deshalb zurück. Auch leidet das Selbstwertgefühl und das ständige Bemühen, auslösende Faktoren zu vermeiden, kann die Lebensqualität stark einschränken. 

Neurodermitis bei Babys und Kleinkindern

Bei Säuglingen tritt Neurodermitis in der Regel zunächst als sogenannter Milchschorf auf der Kopfhaut und im Gesicht oder auch an den Außenseiten von Armen und Beinen auf. Dabei bilden sich auf der geröteten Haut gelblich-weiße Schuppenkrusten, die auch nässen können. Oft bilden sich stark juckende Ekzeme, manchmal auch im Mundbereich. Mit zunehmendem Alter sind vermehrt Gelenkbeugen, Hals und Hände betroffen, es kommt zur Flechtenbildung und Verdickungen, das Hautbild wird gröber. In einigen Fällen sind Bereiche der Haut zu stark oder zu schwach pigmentiert.

Entzündungen und Komplikationen

Der vor allem für Kinder, aber auch für viele Erwachsene oft unkontrollierte Juckreiz führt oft zum Aufkratzen betroffener Hautstellen. Dadurch können Bakterien und Viren in die bereits geschädigte Haut eindringen und Infektionen verursachen. Selbst in Zeiten ohne Schub weist die Haut eines Neurodermitikers erhöhte Entzündungswerte auf. An den aufgekratzten Stellen kann es zu einer Superinfektion – also einer Infektion, die gleichzeitig mit einer anderen Infektion stattfindet – mit Herpesviren oder der Bakterienart Staphylococcus aureus kommen. 

Ursachen und Auslöser

Einig ist man sich, dass eine genetische Veranlagung zu den wesentlichen Ursachen einer Neurodermitis zählt. Das Erkrankungsrisiko ist bei Kindern mit betroffenen Eltern signifikant erhöht. Hinzu kommt die Störung der natürlichen Hautbarriere, die nicht ausreichend vor Umwelteinflüssen schützen kann. Die Auslöser, die bei einer entsprechenden Veranlagung zur tatsächlichen Erkrankung führen, sind vielfältig und können bei jedem Patienten unterschiedlich sein. Dazu gehören äußerliche Hautreize wie Textilien aus Wolle und Synthetik, Hitze, Kälte oder besonders trockene Luft, Schwitzen, Kontakt zu Umweltallergenen wie Tierhaare, Hausstaubmilben oder Pollen, Reaktion auf bestimmte Reinigungs- und Waschmittel oder berufliche Tätigkeiten z.B. in feuchter Umgebung oder mit Chemikalien. Zu den möglichen innerlichen Auslösern zählen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Mikroben, Hormone und auch die Psyche. Gerade psychische Belastungen beispielsweise durch Stress, Trauer oder besonders aufregende Ereignisse sind als Auslöser für Neurodermitis-Schübe nicht zu unterschätzen. Außerdem geht man davon aus, dass auch Fettstoffwechselstörungen, eine erkrankte Darmflora, Darmpilze, ein Mangel an Vitamin D oder ein fehlgesteuertes Immunsystem für den Ausbruch verantwortlich sein.

Schutz und Therapie

Zunächst wird empfohlen, Säuglinge in den ersten Lebensmonaten ausschließlich zu stillen und nicht vor Vollendung des vierten Lebensmonats mit der Einführung von Beikost zu beginnen. Auch dann sollte auf allergenarme Kost geachtet werden. Ist die Neurodermitis bereits ausgebrochen, ist es vor allem wichtig herauszufinden, welche Faktoren bzw. welche Kombination von Faktoren Schübe auslösen. Entsprechend kann man z.B. auf bestimmte Nahrungs-, Wasch- und Pflegemittel verzichten, geeignete Kleidung tragen, Chlorwasser und den Kontakt zu Tieren meiden, Bettbezüge für Hausstaubmilbenallergiker nutzen und Berufe ergreifen, bei denen die Haut nicht in besonderem Maße Reizen ausgesetzt ist. Stress sollte minimiert werden, wobei auch Entspannungstechniken sehr hilfreich sind. Kuren im Reizklima der See oder Hochgebirge können Linderung und Stabilisierung bringen.
Eine besondere Bedeutung kommt der täglichen Hautpflege z.B. mit rückfettenden Salben und Badezusätzen zu. Bei akuten Schüben kann der Einsatz von Antihistaminika und lokalen Glukokortikoiden sinnvoll sein. Als unterstützende Maßnahmen bieten sich außerdem je nach Ursache an: Gamma-Linolensäure, eine Darmsanierung, Probiotika, kolloidales Silber, Vitamin B-Komplex und Vitamin D.

Die hier veröffentlichten Informationen werden nach bestem Wissen weitergegeben. Es handelt sich nicht um Diagnose- oder Therapieanweisungen. Bei dem Verdacht auf eine Erkrankung suchen Sie unbedingt Ihren Arzt oder Heilpraktieker auf. Die Veröffentlichungen dienen zu Ihrer Information und Weiterbildung. Wir schließen die Haftung für Schäden jedweder Art, die durch die Anwendung der Angaben direkt bzw. indirekt entstehen, aus.

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